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Dame mir nicht unhold. Vertrauen Sie mir den Stoff und die Papiere, ich lege das vollendete Werkchen ge⸗ pührend Ihnen vor, ehe es vom Stapel läuft, und Sie pollen ſelbſt ſein erſter Kritiker werden.—
Fremde Roſinen ſchmecken wohlfeil, mein hochge⸗ lahrter Herr Stabsmedicus! Die beſte Novelle bleibt mir für jetzt die Schüſſel mit Neunaugen hier vor uns! murmelte der Lieutenant, den das Geſpräch zu lang⸗ weilen ſchien.—
Aber die Namen, Doktor? fragte der Kammerjunker. Und die Individualitäten? Und die Nöthigen alle finden, wie dieſe maskiren?—
Ein berühmter Fürſt Primas in der Literatur ſagte: Die Perſonen des Romans ſollen nicht bloß teufliſch vder göttlich vollkommen und mit nichts zu vergleichen. ſein: nein, ſie müſſen vielmehr durch ihre auffallende— Aehnlichkeit mit lebenden Individuen wahr und anziehend werden. Und Name iſt Klang, ſoll nichts bedeuten, noch vorher verrathen; in den Fehler des Gegentheils ver⸗ fallen nur die Stümper. Laſſen Sie ſehen.— Der Dokior fühlte bei dieſen Worten an ſeine Taſche, und. zog ein Büchelchen hervor.—
Was Teufel, rief der Kammerjunker, nachdem er
das Buch durchblättert, was ſoll der Katalog einer ärzt⸗
lichen Bibliothek? Sie wollen doch uns Alle nicht mit
den barbariſchen Namen dieſer alten und neuen Geburts⸗
helfer taufen?— Und warum nicht? lachte der Doktor. Mancher dieſer Namen da iſt ſogar ſprechender als er— ſollte, und manchen Poeten unſerer Zeit ſieht man es in ihren frühreifen oder verrenkten Werken an, daß ſie wohl eines tüchtigen Accoucheurs bedurft hätten in der Kreißeſtunde.—
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