Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
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Nun denn, ſprach der Kammerjunker; machen Sie Ihr Meiſterſtück in der poetiſchen Fakultät, vergeſſen Sie aber auch nicht, dem getreuen Stenko ein Denkmal zu ſetzen, das ihm gebühren möchte. Der graue Sklave be⸗ ſchämte manchen Freigeborenen. Er verſchmähete, ſeit des Herrn Tode jede Speiſe, ließ ſelbſt den beliebten Wotka unangerührt. Täglich einmal, aber immer bleicher und hohläugiger, ſchlich er zu der Fürſtin und preßte einen Kuß auf ihren Aermel. Heute ſtreuete er ſeinen Pferden ein hohes Strohbett unter, füllte ihre Krippen recht voll und ſtreichelte ſie lange. Eine Stunde ſpäter fand man den Graubart todt auf dem Kirchhofe des Dorfs am friſchen Grabhügel des Fürſten liegen. Daß getreuen Thieren ſo etwas Menſchliches begegnete, las ich oft, doch dieſes Mal war es ein Menſch, freilich auch von der tiefſten und ungebildetſten Race!

Alle verſtummten; nur William flüſterte leiſe in ſein Glas hinein: Auch die Todten ſollen leben!