Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

481

ernſt der Lieutenant ein. Schon ſeit Wochen trage ich vie Ordre zu Ihrer Verhaftung in meiner Brieftaſche; die Perſon paßt genau, und ſo bitte ich, ohne Wider⸗ rede mir zu der Commandantur zu folgen. Halt! fiel der Graf ein, und ein Hohnlächeln verzog die bär⸗ tige Lippe. Ich verſtehe Ihren Irrthum, aber durch dieſe Schlupfthüre entkommen Sie meiner Klinge nicht, mein feiner, gewandter Herr Dragoner. Er zog ein Por⸗ tefeuille heraus und nahm einige Papiere hervor, die er dem Lieutenant aufgeſchlagen hinhielt. Hier, ſehen der Herr meinen Freiheitspaß. Nur ein Mißverſtändniß machte mich meiner Regierung verdächtig, da ich mich rühmen darf, der treueſte Unterthan meines hohen Souveräns zu ſein. Beachten Sie gefälligſt Unterſchrift und Datum dices Schreibens. Kaiſerliche Hand und kleines Kabi⸗ netſiegel! Belobung meines Benehmens am 27. Dezem⸗ ber, verheißene Dienſterhöhung und Wladimir⸗Orden. Sind Sie Ihres Irrthums überwieſen?

Achtſam las der Lieutenant die Papiere. Mit Ruhe gab er ſie dann dem Beſitzer zurück. Verzeihen Sie, Herr Major, ſprach er mit höflicher Kopfneigung; hier meine Ordre entſchuldigt mein Benehmen. Jetzt ſtehe ich Ihnen zu Dienſte und werde in einer Stunde an dem Ge⸗ hölz vor dem Elsbethsthore mit meinem Sekundanten eintreffen. Die Wahl der Waffen überlaſſe ich Ihnen.

Piſtolen und zu Pferde! erwiderte der Graf, pfiff ſeinem Windhunde und verließ das Haus. Auch der Lieutenant Stein ſchickte ſich an, ſeine Einrichtungen zu treffen. Den Ochſen faßt man bei den Hörnern, den Menſchen bei dem Wort! murrte er in ſich, indem er die Straße hinſchritt, und in Gedanken die Zahl ſeiner Specialen durchlief, einen Sekundanten zu erkieſen.

Blumenhagen. IV. 31