477
Meine Tochter für immer! ſprach die Baronin. Keine Beſſere konnte mir das Schickſal zuführen.—
Und Sie ſind nicht verſtoßen, nicht verarmt! ſetzte William ſchnell hinzu. Streng iſt Ihr Kaiſer geweſen, doch nur gegen die Schuldigen, und ſein erſter Urtheils⸗ ſpruch iſt ein Denkmal ſeines Edelmuthes und ſeiner Geiſtesgröße geworden. Keine Makel ſoll haften an den Nachgebliebenen der Empörer, ihr Adel bleibt unbefleckt, ihr Vermögen ungekränkt, und überdies iſt in keiner Akte der Unterſuchung der Name des Fürſten Taſchwill ge⸗. nannt worden.—
Eine milde Freundlichkeit dämmerte auf in den Trauerzügen Kathinka's, wie ein einzeln Sternlicht durch die ſchweren, langſam ziehenden Wolken einer Wetter⸗ nacht ſchimmert. Bote des Troſtes! ſagte ſie; ſo iſt die Ehre gerettet und das Vaterland. Aber doch müßt ihr mich behalten, ihr Freundlichen, auf lange, auf immer vielleicht! ſetzte ſie mit einem Seufzer hinzu. Es muß ja noch Vieles klarer werden, ehe die geſchüch⸗ terte Taube ſich hinauswagen darf in die feindliche Welt.—
Die alte Baronin umfing das liebe Mädchen mit warmen Zuſicherungen ihrer Mutterliebe, und der Aſſeſ⸗ ſor flüſterte wie zu ſich: Bleibe nur und ziehe nimmer von hinnen! Glücklich, wer Dich zu binden wüßte in der neuen Heimath, daß Du nie mehr der alten ge⸗ dächteſt!—
Es begab ſich einige Tage ſpäter, daß am Morgen ein hochgewachſener junger Mann von auffallendem Aeußern in den Salon des Herrn Petrus eintrat und


