Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
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Und iſt der kleine Bube krank vielleicht? Soll ich den Schäfer holen von Sunsbeck?

Lathonius! ſpöttelte Thomas; auch ſo ein Heiden⸗ name, den kein Chriſtenmenſch führt in ganz Weſtphalen, und wobei man ſich nichts denken kann, als das abſon⸗ derliche verrückte Weſen des Vaters.

Sollte man ſich bei jedem Namen das chriſtliche Menſchenkind denken, das ihn trägt, fiel Riddag ſchnell ein, warum hat Euer Vater Euch denn nicht Malchus oder Hamann taufen laſſen?

Der gute Jahn wollte es ſo, ſagte Heilewich zu ihrem Vater gewendet, ich hätte ihn lieber Melchior ge⸗ nannt nach Euch. Lathonius ſoll bedeuten im Walde geboren, und ſo iſt der Name traurig ſprechend genug, und wenn ich mit dem Kinde vor dem Jahn ſitze, o ſo

legt er oft wehmüthig ſeine Hand auf des Knaben klei⸗ nes Haupt und ſpricht ernſt und kummervoll:Dich habe ich beſtohlen, das iſt das Hauptverbrechen, welches meine Seele belaſtet. Deine Windel ſollte von Schar⸗ lach ſein, Deine Wiege ein Rürnberger Meiſterwerk mit Golde belegt; Pagen und Zofen ſollten Dich warten unter ſammetnem Baldachin. So biſt Du ein Geſell der wilden Brut des Gebirges, der Fels mit ſeinem krauſen Mooſe iſt dein Seidenbett, der Eiche breites Blätterdach Deines Schloſſes Prachtgewölbe, und nicht einmal der Name Deines Vaters iſt Dein Erbe, das doch des Bettlers an der Heerſtraße gebornes Söhnlein fordern darf.

Gebt Euch zufrieden, edle Frau! ſprach Riddag! Reißt die alten Wunden nicht neu auf; was geſchehen, läßt ſich nicht ungeſchehen machen, und die Zeit wird Manches umwandeln, höhlet ſie doch den Fels aus und