Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
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angenehmen Stimme, der man den tiefen Kummer ab⸗ hörte. Der Sturm ſauſet um das Haus, und er iſt allein im Walde.

Der Zitherſchläger iſt mit ihm, antwortete Riddag freundlich und unterthänig, und habt Ihr vergeſſen, daß heute die erſte Mainacht herrſcht, in der der böſe Geiſt immer den Herrn fortjagt von menſchlicher Ge⸗ ſellſchaft?

Mit einem Seufzer ſtykte die Frau die Augen zu dem Boden, der Steinmüller aber ſagte hämiſch:

Er iſt wohl hinausgeritten auf einem Lanzenſchafte oder einem ſchwarzen Bocke, mit dem Gott ſei bei uns den Hexentanz auf dem Blocksberge zu halten!

Kann ſein, daß er Euch ſchwarze Geſellſchaft ins Haus bringt, antwortete Riddag, die Euch Reſpekt lehrt vor Leuten, denen ihr die Sporen nicht ablöſen dürft. Hätte der Herr mich mitgenommen zum Blocksberge, Eure breiten Schultern ſollten mich hingetragen haben; ſitzet es ſich doch ſicher noch bequemer darauf, wie auf dem Rücken Eures Mühleſels, und meine Ferſen ſollten dabei nicht faul geblieben ſein.

Das Frauenzimmer hatte nicht Acht gehabt auf die Zwiſchenreden. Was fliehet er mich in ſolcher Stunde? fragte ſie eintönig, wie mit ſich ſelbſt ſprechend. Bin ich nicht ſeines Vertrauens werth? Hat er nicht ſo oft Troſt gefunden an meinem Herzen? Und wo iſt eine Bruſt, die ſo willig und todestreu alles trüge, was ihn bedrückt? Ich hätte ihn ſelbſt ſchon geſucht in der Wild⸗ niß, aher der kleine Lathonius war die ganze Nacht ſo unruhig, als vermiſſe auch er den Vater und rufe ihn in ſeinen Wimmertönen.

Lathonius heißt Dein Kind, Heilewich? fragte Melchior.