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ſich ſeinen Waffenplatz erkoren und übte alle die Burſchen
in jeder Dämmerung dort im Fechtſpiel, als ſei er ein
kaiſerlicher Waffenmeiſter, und habe die edelſten Junker in die Schule bekommen, um Turnierkämpen und Kriegs⸗
oberſten daraus zu ſchnitzeln.—
Bravo! rief Melchior, das wäre ja Waſſer auf Deine Mühle und müßte Dir Zinſen tragen; denn gute Fang⸗ hunde waren die Geſellen, aber von der edlen Fechtkunſt verſtand der Turnau ſelbſt keines Nagelkopfs werth, und ſprengte eine Rotte gelernter Reiſigen in Euren Buſch, mußten ſie bislang immer die Haſenferſe zeigen.—
Glück auf! ſetzte der Jüngere raſch hinzu; da darf auch ich mich beigeſellen, Vater Melchior, und freue mich der Kameradſchaft, wodurch es etwas zu lernen gibt.—
Schöne Kameradſchaft das! entgegnete der Müller ſpöttiſch. Willſt Du ihm die Stiefeln ausziehen und den Pallaſch abſchnallen? denn darin möchte die ganze herr⸗ liche Brüderſchaft beſtehen. Oder willſt auch Du mit dazu thun, Deine Familie zu Bettlern zu machen und die Ehre der Steinmüller an den Pranger nageln zu helfen? — Bald darauf brach das Ding los, klar und unver⸗ hehlt. Die meineidigen Buben hatten den Verräther förmlich zu ihrem Hauptmann gewählt, zogen mit ihm hinaus, ohne mich zu fragen und meinen Rath zu be⸗ gehren, kehrten heim, ohne die Beute abzuliefern, die ſie ſogar ſchon draußen getheilt hatten, ſpielten auf den nächſten Heerſtraßen ihre Wegelagerungsſtückchen dreiſt und ſorglos, wagten ſich ſogar an Klöſter und Ritter⸗ güter, und ſetzten den Ruf des ehrlichen Steinmüllers bei dem Gaugericht und dem Freigrafen auf's Spielz und ſeit der alte Turnau von den Biſchöflichen erwiſcht und in Osnabrück gehangen ward, hatte ich niemanden


