Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
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Iſt mir es doch ſelbſt ſo ergangen mit ihm, antwor⸗ tete der Melchior, und ich habe doch ganz andere Men⸗ ſchen geſehen als Du, dicker Herr Bruder, in Deinem alten Fuchsbau, habe vor Königen und Herzogen paradirt und mit manchem gräflichen Feldobriſten aus einer Feld⸗ flaſche getrunken. Aber was that Dir der ſchmächtige Landſtreicher denn Großes, daß Du ſo erbost mit dem Meſſer ihm an die Kehle wollteſt? Er ſieht doch nicht danach aus, als hätten ſeine krummen Finger an Deine eiſerne Geldtruhe getaſtet, und in dem Gehege Deiner Mühldirnen hat er doch auch wohl nicht gejagt, da die ſchlaue, derbe Heilewich ſein Aufpaſſer wurde durch Prie⸗ ſterhand.

Was er that? Nicht ſolche Kleinigkeiten und Diebs⸗ praktiken als Du da herſalbaderſt! fiel heftiger der Steinmüller ein. Alles hat er mir genommen; hat ge⸗ rüttelt an dem Fundament unſers Thrones, hat mir den Reſpekt geſtohlen und die Gewalt hinterdrein, die ich faſt ein halb Jahrhundert ungeſtört geübt im ganzen Deutſchburger Waldgau.

Wohl ſah er ſo aus, ſprach nachdenkend der Andere, als wenn ein Kronendiebſtahl oder Thronumſturz ſeine Sache ſei, und er nicht viel Federleſens dabei machen würde. Indeß um Deine Herrſchaft wird er ſich ſo gar begierig nicht bekümmert haben.

Und doch! meinte der Müller. Ehe er daherzog in unſere Schlupfwinkel mit der Heilewich, ging es ruhig und friedlich zu in dieſen alten Mauern. Der Stein⸗ müller war der König aller Freibeuter in ganz Weſt⸗ phalen; was die Wegelagerer zuſammenbrachten auf fünfzig Meilen im Umkreiſe, das ſchleppten die braven Burſchen zu mir; ich bewahrte es redlich, ich theilte