Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
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dieſen Geſellen der Schlummernde der reinlichſte und feinſte: denn obgleich ſein dahingeſtreckter Leib faſt rieſig erſchien und alle menſchliche Leibeslänge gewohnter Art überbot, ſo war doch ſein Haar kurzgeſchnitten, ſein ſchwarzer Schnauzbart wohlgepflegt, und ſein Reitrock von gelbem Zeug mit ſchwarzer Verbrämung hatte den Schnitt, wie ihn Soldaten fürſtlicher Heere zu tragen pflegten; auch war er ſauber gehalten und lag knapp an den Rieſengliedern, wenn gleich der Träger kein Jüngling, ſondern ein vollausgewachſener Mann war.

Es iſt die rechte Zeit, Bruder Melchior, daß Du heimgekommen, ſagte der Müller Thomas zu dem ältern der Gäſte, denn lange hätte ichs nicht mehr mit angeſe⸗ hen, ſo lieb mir die Heilewich auch iſt. Ich hätte die Nichte und Pathe vergeſſen müſſen, um dem Unfuge ein Ende zu machen und den Reſpekt wieder zu gewinnen, den vom Großvater und Urgroßvater her die Steinmüller immer als Erbtheil mit der Mühle bekommen, und den von der Goslarſchen Mordecke bis zum Bentheimer Die⸗ besſack jeder Freizügler uns entgegengetragen. Glaube mirs, ſchon oft ſchliff ich das Meſſer, um ihm im Schlafe den Genickfang zu geben; aber wenn ich dann ſo herum⸗ ſchlich in den Mühlgängen und an meinem Plane ſtudirte, denn er führt die Waffen, als wäre er in der Stechbahn geboren, und Vorſicht war vonnöthen, ſo trat mir die Heilewich entgegen mit dem blondköpfigen Buben auf dem Arme, und es wurde mir das Herz weich um der Dirne willen, die den fremden Gauner liebt wie ihren Aug⸗ apfel; oder der Jahn trat mir ſelbſt entgegen mit ſeinem finſtern Geſicht und ſtolzen Weſen, in welchem ſo etwas liegt, das unſer Einem eine Art Scheu einflößt, man mag dagegen fluchen, wie man will.

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