der Warten dreier Ritterburgen, der Halteburg, der Sche⸗ lenburg und der Ledenburg, über die wolkenhohen Baum⸗ gipfel hervorragen, Schirm und Befeindung, je nachdem es kam, dem einſamen Wanderer und der Karavane fremder Reiſenden verheißend.
In der Steinmühle, ſo nannten die Landleute der Gegend das eben beſchriebene Gebäude, ſaßen in der erſten Mainacht des angegebenen Jahres noch nach Mit⸗ ternacht mehre Männer zuſammen. Das Zimmer war lang, aber ſchmal und niedrig, und die große Lampe, welche an der Mauer an einer roſtigen Kette hing, warf ein unheimliches Licht durch das unregelmäßige Gemach, beleuchtete kaum die Geſellſchaft an dem grobgeſchnitzten Eichentiſche, und verurſachte lange Schlagſchatten, durch die das Finſtere und Rohe der Geſtalten bis zur Furcht⸗ barkeit wuchs; draußen brauſete der geſchwollene Gieß⸗ bach wie ein tobender Kettenhund, und der Wind ſtieß oftmals hart gegen das alte Mühldach und warf aus
den knoſpenden Baumgipfeln dürre Zweige herunter, die
auf das Gebäude mit Gepraſſel niederſtürzten. Die Männer im Zimmer ſchienen nicht darauf zu merken; flackerte doch im Kamine ein luſtiges Feuer, waren doch die irdenen, großen Krüge auf dem Tiſche mit gutem Meth gefüllt, und ihr Aeußeres ließ in ihnen Menſchen erkennen, welche manch böſes Wetter ertragen hatten und nicht gewöhnt waren, vor einer Windsbraut oder einem Schlagdonner in ein weiches Federbett oder unter eine ſeidene Decke zu flüchten. Am Tiſche, der Lampe gegenüber, ſaß der Steinmüller Thomas, eine unterſetzte, faſt vierſchrötige Geſtalt, mit einem aufgeblaſenen, glut⸗ rothen Antlitze; ſein faſt kahler Schädel, dem die Natur eine übermäßige Breite zugetheilt hatte, war von einer 3
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