Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
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Mit Wuth faßte ſie das Kind, und ſuchte es von ihm zu löſen.

Laß mein letztes Gut, Mörder, blutiger Mörder! betaſte den reinen Engel nicht, dem Du Ehre und Glück genommen, ehe es die Sonne ſah.

Soll das engelgleiche Kind keinen Vater haben 2 fragte er ermattet.

Lieber keinen, als einen niederträchtigen, der ſich ſelber gebrandmarkt, rief ſie gleich einer Furie. Fort! Laß das Kind! Und naheſt Du wieder mir, bei Deiner und meiner Verdammniß, ſo tödtet daſſelbe Meſſer mich und das Kind.

Erſchlafft, wie vernichtet, ſank der Mann zuſammen und bedeckte ſein Geſicht mit der Hand. Azelia flog wie vom Winde getragen mit der Kleinen die Höhe hinunter. Ich ſchlich mich zwiſchen den alten Waldbäumen hinweg; wie hätte ich jetzt mit dem Zerſchmetterten zuſammen⸗ ſtoßen mögen.

Kaum war ich erſchüttert und mit den widerwärtig⸗ ſten Empfindungen in Gaſtein eingetroffen und hatte den Freunden die ſeltſame feindſelige Begegnung, der beiden Hauptperſonen in Eugens Erzählung berichtet, wobei Adelbert in eine neue Wallung gerieth, und ſich ver⸗ ſchwor, der Ritter und Rächer der Dame zu werden, ſo verbreitete ſich ein dumpfes Gerücht durch die Cirkel der Geſellſchaft. Ein Unglücksfall hatte ſich ereignet. Berg⸗ knappen wollten bei ihrem Heimgange geſehen haben, wie oben auf der Schreck in der Nähe jener Zwillings⸗ fichten ein Menſch in den Abgrund geglitten ſei. Die Nacht verſchleierte die Entwicklung des düſtern Räthſels. Aber früh am nächſten Tage fand man den Verun⸗ glückten. Die hochgeſchwollene Ache hatte ihn tief im Thale auf eine Matte ausgeworfen; es war der grie⸗ chiſche Hauptmann, und mit Grauen und Rührung zu⸗ gleich betrachteten wir den rieſigen Leichnam des Mannes, der ſich durch wilde Türkenſchlachten gekämpft, um im entlegenſten Orte ſeines deutſchen Vaterlandes in Schmach und Verzweiflung zu ſterben.

Eugen drückte bedeutungsvoll den Finger auf ſeinen Mund, wir verſtanden ihn, kein Menſch erfuhr, was