Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
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der Zufall mir vertraut hatte. Oben auf der Echobank fanden die Nachſuchenden des Philhellenen Brieftaſche. Ein beſchriebenes Blatt darin nannte die Tochter Aze⸗ liens von Horſten als die Erbin ſeines Nachlaſſes, ſei⸗ ner Beſitzungen in der Heimath. Man ſuchte auf unſere Veranlaſſung nach der fremden Dame, doch ſie hatte in der Nacht das Wildbad verlaſſen, und blieb ver⸗ ſchwunden.

Die verſtörte Badegeſellſchaft trat zuſammen, um dem verunglückten Fremden eine ehrenvolle Todtenfeier zu veranſtalten. Oben auf dem Friedhofe von Eu⸗ ropa ward er mit anſehnlichem Gefolge beſtattet. Auch zu einem Denkmale ſchoß man zuſammen und Adelbert bekam von Eugens Onkel den Auftrag, die Ausführung zu beſorgen. Der ſchauervolle Tod des Palikaren hatte den Freund umgewandelt, er war ſtill und verſchloſſen geworden, und entzog ſich der Aufforderung nicht; und als Eugen fragte: War das der beſondere heimliche Zweck vielleicht, zu dem Du in dieſe Wildniß geſchleu⸗ dert worden? ſetzte er ſich zu ſeinem Zeichnenbrett und entgegnete: Was iſt Haß, was iſt Liebe? Das iſt wie Tag und Nacht, wo die eine aufhört, beginnt die andere, ſie verlaufen in einander, wie meine Farben, aber beider Urſache, die Sonne, iſt dieſelbe wie das Menſchenherz.

Ich haßte dieſen Hektor als einen Verräther am Heiligſten, am Moyſterium der Weiblichkeit, ich liebte dieſe Azelia, als ein Opfer des Undanks. Jetzt dünkt mich faſt, ich liebe den Büßenden und haſſe die Unver⸗ ſöhnliche.

Seltſamer Wankelmuth! Auch ſie hat doch geliebt, was ſie jetzt tödtlich haſſet. So iſt Alles unbeſtändig hier unter, und der arme Menſch darf ja auf nichts Hoffnungen bauen, da er nicht einmal ſich ſelber ver⸗ trauen kann. Das ſoll mein Denkſtein ausſprechen. Vielleicht wird Azelia von einer mildern Empfindung dereinſt zu dieſem düſtern Platz zurück getrieben, und ver⸗ ſöhnt ſich an meinem Steine mit Hektors Schatten.

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