Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
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treu und wahrhaft. Die Dame ging haſtig auf die Bank zu, ihr Kind fortzunehmen, doch einen Schritt vom Ziele ſtarrte ihr Fuß, Blick und Züge bekamen einen wirklich entſetzlichen Ausdruck, und ſie hob beide Hände abwehrend wie vor einer feindſeligen Erſcheinung.

Hektor! rief ſie dann mit einer ſchneidenden Stimme. Und Sie leben noch? Sie können noch leben?

Der rieſige Mann ſchien wie entnervt vor ihrem Anblicke und konnte ſich nicht vom Sitz erheben. Aze⸗ lia, ſagte er mit einer Stimme, ſchwach wie ein leiſe erſterbendes Echo, Azelia, Du biſt es ſelbſt! So bin ich endlich am Ziele nach monatelangem Suchen und in der Verzweiflung einer ſchon gänzlich verſunkenen Hoffnung.

Azelia's Antlitz hatte die eiſigkalten Marmorzüge wie⸗ derum angenommen. Hoffen? entgegnete ſie mit bitter⸗ ſtem Hohn. Kann ein Menſch hoffen, der jede fremde Hoffnung zertrat! Weichen Sie aus meinem Wege, wenn noch irgend etwas Menſchliches in Ihnen geblie⸗ ben. Wir dürfen uns nie mehr begegnen; dieſe Gnade glaubte ich durch meinen Jammer vom Himmel erkauft zu haben.

Gibt es denn keine Verſöhnung für das, was der Menſch in Raſerei, in der Verblendung der glühendſten Leidenſchaft, der marterndſten Eiferſucht gefrevelt? fragte er mit bebenden Tönen.

Ich bin heimathlos geworden, antwortete ſie mit grauenvoller Ruhe, mir iſt keine Familie, kein befreun⸗ detes Weſen geblieben. Die Hölle in der Bruſt ſchleiche ich durch die Welt, heute hier, morgen da, fremde Ge⸗ ſichter, unbekannte Orte, verſteckte Winkel ſuchend. Und wer war es, der mich ſo in Scham und Reue durch die Welt gepeieht und blutige Schatten an meine Ferſen

ehetzt?

5 Der Mann hob den Stumpf ſeines verkrüppelten Arms. Das Schickſal zerſtörte, was die Unglücksthat vollbracht, ſagte er wie bittend.

Warum die Zunge nicht auch! fiel ſie ein mit Tiger⸗ blicken. Sie redet noch, ſchwatzt noch, die Schändliche; ſie meuchelt noch, die Schamloſe, die Undankbare!