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hinter der Echobank beſchäftigte ich mich, von einem alten Baumſtamme ein Neſtchen Clauſilien auszunehmen, eine Familie jener kleinen zarten Schraubenſchneckchen, die geſellig unter dem Mooſe zu wohnen pflegen. Ein Geräuſch erregte meine Aufmerkſamkeit in der grabes⸗ ſtillen menſchenleeren Gegend; ich ſchaute umher und mein Grieche ſaß auf der Echobank. Ich packte bereits meine Schächtelchen ein, um ihn anzureden, da hüpfte ein liebliches Mägdlein aus nahem Buſch, ſtand einige Augenblicke überraſcht in der Nähe des fremden Mannes, ließ ſich aber bald durch ſeinen Anruf und ſein Schmei⸗ chelwort heranlocken. Der bärtige Palikar zog ſie in ein Geſpräch und die Kleine ſchien daran Wohlgefallen zu finden. Meine Neugier wurde wach. Wie mwochte dieſer wüſte narbigte Kriegsgeſell ſich zu der natürlichen Kindlichkeit herabſtimmen können, welche allein der Kin⸗ der Vertrauen augenblicks gewinnt?— Behutſam trat ich unter den Bäumen ganz nahe hinzu. Der Palikar hielt die Kleine zwiſchen ſeinen Knieen und ſtreichelte mit der linken Hand ihre Locken.
Du wohneſt wohl hier in der Wildniß, Du kleines ſüßes Engelchen, um die Menſchen, die ſich hier herauf verirren, vom Schreck und Grauſen zu erlöſen?— fragte er, als ich ſo dicht hinangekommen, daß ich Worte verſtand.— Wir wohnen dort unten, ich und die Mutter bei einem guten Manne, der viele Schafe und weiße Lämmchen in die Wieſe treibt, ſagte die Kleine.—
Und wie heißt Deine glückliche Mutter, Du ſüßes Herz? fragte er ſchmeichelnd.—
Ich rufe ſie Mama, antwortete das Kind; aber ſie heißt auch Azelia.—
Azelia! rief der Mann mit einer Schlachtſtimme und ſprang auf, doch faßte er die erſchreckte Kleine ſogleich wieder an ihrer Hand, und ſchmeichelte ihr von Neuem, aber ich bemerkte deutlich, daß ſein Arm zitterte.—
Eine dritte Perſon kam jetzt hinzu. Ein Frauenzim⸗ mer ſchritt aus dem Gebüſch, und auf den erſten Blick erkannte ich Adelberts Unbekannte.— Er hatte ſie aus⸗ gemalt wie ein guter Maler, etwas verſchönt und durch den Farbenſchmelz idealiſirt, aber in den Grundzügen


