Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
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Adelbert lief ſeinem Ideale nach, und ich nahm meine Verlaſſenheit wahr, mich in Berg und Buſch nach Ra⸗ turſchätzen umzuſchauen.

Vom Schloſſe ſtieg ich zum Schloßfelſen hinauf und höher in die wildeſte Partie von ganz Gaſtein, nicht mit Unrecht: Auf der Schreck genannt. Vor mir her ſah ich einen Mann ſteigen, in welchem ich ſogleich den Pa⸗ likarenhauptmann erkannte. Auf der Schreckbrücke verweilte er, und ſtand betrachtend lange am Geländer. Die ſchauervolle Schlucht unter ihm, das betäubende Toſen und Brüllen der über die Felszacken herausbrechen⸗ den Ache, der Dampf und Giſcht der weithin Alles in einen kochenden Dunſtſchleier hüllt, ein wahres Höllen⸗ bild, mochte auch den Vielgereiſeten im Staunen gefeſſelt halten, und er gedachte vielleicht bei dem Grauſen, wel⸗ ches der wüſte Kampf der Elemente erregt, an den Gräuel, durch welche er in den vielbeſungenen griechiſchen Fel⸗ dern hatte wandeln müſſen. Später ſah ich ihn noch einmal höher hinauf am gefährlichſten Platze der Gegend, wo am äußerſten Saume des Abgrunds zwei alte Fichten ſtehen, Zwillingsbäume aus einer Wurzel entſproſſen, welche die hohen Gipfel in friſcher Bergluft wiegen, in⸗ deß die tiefern dunkeln Zweige ſich hinabtauchen in das weiße Schaumbad, das aus der Schlucht emporſpritzt und zu den Regenbögen, die als Verſöhnungs⸗ und Frie⸗ densbild ſchillernd die Spritzwolken überbauen. Er hielt ſich mit kühnem Arm an dem Fichtenſtamme und beugte ſich weit hinüber nach den Grauen der Tiefe, ſo daß ich ſchwindelte beim Anſchauen der übermüthigen Verwegen⸗ heit. Mein Weg führte mich von ihm ab durch Gebüſch und Holz in die Nähe der Felshöhe, welche die Sonnenwende heißt, und nicht fern von der Straße