Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
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Und Du glaubſt durch Deine Trauermähr die Herr⸗ liche mit einer Mauer für mich umzogen zu haben? fuhr Adelbert fort. Sie iſt ein Schickſalsopfer, eine ſchuld⸗ los Gemarterte, eine in glühende Lava Verſunkene. Und welcher Kampf galt den klaſſiſchen Helden höher, als der mit dem grauen unerbittlichen Fatum, dem rie⸗ ſigen Geſpenſt des unausweichlichen Zufalls? Sie muß erlöſet werden, die Lebendigbegrabene muß hervorgegra⸗ ben werden; o war's mir doch immer, als wäre ich zu einem ganz beſondern heimlichen einzigen Zwecke in dieſe Wildniß geſchleudert worden.

Eugen ſtand vom Seſſel auf. Verſuche Dein Heil, mein junger Ritter, ſagte er lächelnd; aber klage nicht, wenn Du erfroren oder todtwund gleich den Rolanden Napoleons von der Ritterfahrt nach den nordiſchen Eis⸗ feldern heim kommſt, Du biſt gewarnt, und die Uhr von Gaſtein ſchlug neun, zu welcher Stunde alle getreuen Gaſteiner das Bette ſuchen.

Am folgenden Morgen deckten ſchwarze Gewitterwol⸗ ken den ganzen Himmel und bannten die furchtſamen Badegäſte in ihre Zellen, da die Entladung ſolcher Wetter in dieſen Bergthälern von einer ſuperlativen Furchtbarkeit begleitet zu ſein pflegt. Ein gefälliger Wind erhob ſich jedoch und auf ſeinen Fittichen kutſchir⸗ ten die dunkeln Koloſſe ſämmtlich ins höhere Gebirg hinauf, und nur an dem Schwellen und heftigeren Rau⸗ ſchen des Fluſſes bemerkte man, daß ſie ſich an den hohen Firnen gebrochen und entladen haben mußten. Der Nach⸗ mittag wurde heiter und wolkenfrei; Eugen wurde durch kinvliche Pflicht an das Bett des erkrankten Oheims ge⸗ feſſelt, der die geſtrige ungewohnte Alteration nicht über⸗ winden und den zähen Engländer nicht verdauen konnte;