Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

420

erſchienen, und ihre Einladung abzulehnen, wäre höchſt ungalant. Wir treten als ſchlichte Weltbürger auf, ohne Namen und Rang, und das iſt der beſte Paſſepartout um überall willkommen oder wenigſtens unbeachtet ſich ein⸗ zuführen.—

Ich fand mich leicht darein, und wir wanderten muthig an der Salza hin, und ſie überſchreitend in dem Gaſteinerthale hinauf.

Nirgends erſtarkt der geſunkene Menſchengeiſt ſo leicht und ſchnell, als in Mitten einer großartigen Natur. Man gedenkt der Körperſchwäche nicht, von den gigantiſchen Gebilden umgeben, und ſchämt ſich, ſie zu äußern, ſieht man ein Menſchenvolk, das nichts Rieſiges, nichts Her⸗ kuliſches voraus hat, ſolcher feindſeligen ſtarren Heimath den Bedarf abgewinnen, und heiter und glücklich neben zermalmenden Bergfällen und verſchüttenden Lavinen, neben überſchäumenden Wildſeen und verheerenden Wald⸗ ſtrömen ihr Leben fortſpinnen.

Mit innerem Schauer paſſirten wir das Felſenthor der Klamme mit ſeinen ſchroffen Wänden und gierigen Schlünden, blickten entzückt auf die ſammetgrünen Mat⸗ ten ringsum und die hüpfenden Silberbäche, die mit ihrem funkelnden Netze wie reichſte Stickerei den Atlas⸗ mantel durchweben, ſchaueten andachtsvoll auf zu den wolkenhohen Tauern und ſchneebedeckten Kogln, zu dieſen ſolzen ewigen Pfeilern einer ungeheuren Kirche, auf denen das azurblaue Himmelsgewölbe zu ruhen ſcheint, und ſtanden erſchüttert an den ſchäumenden und ſpritzen⸗ den Katarakten der wilden Ache, die wie eine jugendlich übermüthige Amazonenfürſtin ſtolz auf ihre Schatzkam⸗ mern, in denen ſie Gold und Silber zu Hauf bewahrt, ſtolzer auf ihren weißen freien Nacken, der kein Joch

—