Teil eines Werkes 
3 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

416

leeren Stunden; und wer hätte dieſe nicht? Sammelte jener Lord die traurigen Halsbänder gehangener Delin⸗ quenten, verſchwendete jener Belgier ſein Vermögen in verbrauchten Flaſchenpfröpfen, ein ſo voluminöſer wie trauriger Nachlaß ſeiner Agnaten, ſo lag in ihren Narr⸗ heiten dennoch etwas rein Menſchliches. Auch uns reizten Liebhabereien zu der mühevollen Wanderung, wenn ſolche auch nicht gerade zu den thörichten gezählt werden konn⸗ ten. Adelbert war Architekt aus Leidenſchaft, nicht um des Brodes willen; Alles, was von alterthümlichen Bau⸗ werken ſich im Vaterlande fand, mußte er kennen, ſelbſt beſchauen, in ſein Album eintragen, und wie natürlich zog dieſe Neigung eine Menge Nebenzweige in ihre Grenzen, und ſeine Zimmer daheim glichen einer Trö⸗ delbude, worin jeder Raum mit dem Inhalte verſunkener Hünengräber, mit Todtenurnen, erloſchenen Wappen⸗ ſchildern, verroſteten Waffen und Roßſchmuck, oder mit den Raritäten alter Kapellen, mit Altarleuchtern, Säu⸗ lenknöpfen, zerbrochenen Heiligenbildern, geborſtenen Po⸗ kalen und heidniſchen Götzenfratzen gefüllt und verbaut erſchien. Ich hatte dagegen keinen Sinn für Menſchen⸗ werk, und nur was Gottes Schöpferhand gemacht, lockte mir Bewunderung ab und reizte mich zum Streben nach ſeinem Beſitz, obgleich mit nicht weniger Begierde und vielleicht in oft gleich barocker und verſchwenderiſcher Leidenſchaft. Wir ſtritten auch nicht ſelten über dieſen Gegenſtand, und wenn ich ſeine theure Trödelbude, in welcher Staubdecke und Spinngewebe, als zum Aufputz gehörig, nicht fehlten, meinen Sarkasmen zur Zielſcheibe geſetzt, ſo mußten meine zarten Schmetterlinge und mon⸗ ſtröſen Inſekten auf ihren dünnen Spießen, meine ſaubern Erzſtufen und Kryſtalldruſen, meine Mammuthsgebeine