nicht im Monate der Sehnſucht, der Liebe und der Schä⸗ ferſtunden? Die Sonne umſpinnt mit einem Goldnetze den Wald und die Gebüſche, und treibt das ſchmachtende
Wild in die Schatten. Heute ſpringen alle Waſſerkünſte,
heute gibt es im Schloſſe Theater und Souper. Von Fremden wimmelt die Stadt Kaſſel; Alles, was einen Bratenrock und einen Pariſer Shawl beſitzt, geht und fährt hinauf zum Luſtſchloſſe, zu ſehen und geſehen zu werden. Und der Herr von Heiligenſtein hat ſein Gabel⸗ frühſtück ſchnell verſpeiſet, ſitzet wie ein Muſterherr am Wege, und hält große Parade. Bürgermädchen und Edelfräulein wird mit kundigem Auge geprüft vom zierlichen Schuh bis zum Federhute, und Vivat der Glücklichen unter den Tauſenden, welcher der gediegene Freiersmann mit ſeinem Schnupftuche den Aviſobrief zu einem Himmelreiche auf Erden entgegen wirft.—
Der Präfekturrath hatte zuerſt mit freundlichem Lä⸗ cheln der pathetiſch geſprochenen Peroration zugehorcht, am Schluſſe war er jedoch immer ernſthafter geworden.
Mein Herr Graf von Halm, ſagte er jetzt faſt ſpitzig und beleidigt dem Tone der Antwort nach, geruhen Sie einen hochgräflichen Scherz zu treiben mit einem geal⸗ terten Junggeſellen oder Hageſtolz, ſo wird Ihr Unter⸗ thänigſter gern ſtill halten, denn Seinesgleichen müſſen gar oft ſich zur Zielſcheibe des Witzes der jungen Brauſe⸗ köpfe hergeben, die auf der Fahrt den beſten Wind und des Compaß Warnung noch nicht erkannten. Sollte je⸗ doch Ernſt in Ihren Worten vorwalten, ſo muß ich erklären, daß Hochdieſelben, obgleich wohlbeſtallter Kapi⸗ tän der Grenadiere und als eifriger Nimrod bekannt, dieſes Mal weit bei der Scheibe vorbei geſchoſſen.—
Der Graf ſah den Rath, ſtutzig ob des Tones, ſcharf
—₰


