5
bekannt als kluger, umſichtiger Geſchäftsmann, in jeder Schublade prolongirte Wechſelchen auf die höchſten Hof⸗ beamten, ja vielleicht auf die Majeſtät ſelbſt, kann es Ihnen nicht fehlen bis zu den Stufen des Thrones zu ſteigen, wenn Sie nur wollen. Setze ich nun erwägend hinzu, daß der Herr von Heiligenſtein Genüge zu haben ſcheint am Präfekturrath, da er längſt Staatsrath ſein könnte, daß er ſein ſtilles Häuschen in der Altſtadt be⸗ wohnt, und es nicht der Mühe werth hält in der Belle⸗ Vue⸗Straße die ſchönſte Ausſicht auf die himmliſche Au ſich zu erkaufen, daß er nur an höchſten Feſttagen bei Hofe, oder, wie geſtern, bei dem Miniſter erſcheint, weder auf dem Caſino noch auf Horns Kaffeehauſe, noch in Rodemunds Champagnerkabinetten zu finden iſt; ad⸗ dire ich den Sitz hier auf der Terraſſe, das himmelblau geſtickte Kleid, die Wangen voll Frühlingsglut dazu, ſo iſt das Facit ſo kinderleicht zu finden, daß ein wohler⸗ fahrner Gardekapitän ſich beinahe ſchämen muß, es aus⸗ zuſprechen.—
Sie ſind herrlich im Zuge, Herr Graf, nickte gut⸗ müthig der Rathz der Champagner im Schloſſe macht dem Mundſchenken Ehre. Schade, daß dieſes Kartät⸗ ſchenfeuer nicht gegen eine Mädchenbatterie praſſelte; Alle hätten Chamade geſchlagen. Aber aus ſeltſamlicher Neubegier möchte der Rath, deſſen Klugheit Sie eben viel zu hoch anſchlugen, wohl wiſſen, wie das Facit Ihres Exempels erklänge.—
Iſt nicht heute das ſchönſte Feſt des Jahres, wo der junge Sommer ſeinen Einzug hält? Hat nicht der Früh⸗ ling, wie ein emſiger Herold die Blumenteppiche vor dem Herzenskönige ausgebreitet, und ſelbſt die Weih⸗ rauchskelche der Roſe ihm früh aufgeſchloſſen? Leben wir


