Teil eines Werkes 
2 (1843)
Entstehung
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ſein Geſicht und die faſt erloſchenen Augen zu ihm empor. So iſt ſie nicht Dein Weib? fragte er langſam und ſchwach.

Keine Folter hätte mich zu ſolcher Untreue und Uebel⸗ that gezwungen! entgegnete Folkerts feſt.

O Gott! Wie war mir denn? Und welche Raben⸗ ſtimme erzählte mir denn die grauſige Geſchichte? fragte Frerich wie in ſich hinein. Aber ich glaubte es, ich konnte es glauben! O das iſt entſetzlich! Verlaß mich, Oluf, ich bin ja Dein nicht werth, bin ihrer nicht mehr werth, denn ich konnte ja zweifeln. Wie kann ich auf⸗ ſehen zu Dir? Wie kannſt Du mir verzeihen? O laß mich, daß ich allein vergehe in meiner Scham!

Folkerts zog ihn empor zu ſich vom Seſſel und preßte ihn feſt an ſeine Bruſt. Weißt Du noch, wie Du vor Jahren krank lageſt am böſen Schiffsfieber? ſagte er recht herzlich. Du tobteſt damals, ſchlugſt meine Hand fort mit der Arznei, ſchalteſt mich hart in Deinen Fieber⸗ raſereien. Wurde ich damals hart an Dir? Minderte ſich meine Sorgfalt? Oder wuchs ſie nicht vielmehr nach jedem ſolchen Sturme? Sieh, mein Frerich, heute wareſt Du noch ſchwerer krank; das Uebel hatte nicht den Körper, ſondern die Seele ergriffen. Sollte der Freund denn nun weniger Geduld, weniger Nachſicht haben wie damals?

O komm zu Egwia! rief da Kronſciold ſich erman⸗ nend und mit leuchtenden Blicken. Dort allein kann ich Dich belohnen für Deinen Edelmuth; ich weiß ja, wenn Du mich glücklich ſiehſt, biſt Du auch glücklich.

Sir, ſetzte er dann, ſich zu dem engliſchen Offizier wendend, mit erhobener Stimme hinzu und wieder ſeine ſtolze Haltung annnehmend, die dem ſchönen Mann ſo