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Kronſciold, biſt Du wahnwitzig, krank? rief Oluf mit warmer Beſorgniß. Kennſt Du mich denn nicht 2 Denkſt Du denn nicht an Egwia?—
Ja, ja, ich denke! ſtammelte Frerich und ſein Ge⸗ ſicht ward noch bleicher und alle ſeine Glieder bebten fieberhaft. Ja, Egwia hat Dich gewählt, Du biſt ihr Gatte, ich beraubte ſie, träfe meine Kugel Dein Herz. Nein, das kann Kronſciold nicht; aber Platz machen kann er um Egwia's willen, und wird ihrem Glück nicht länger im Wege ſein.—
Schnell wandte er die Mündung des Gewehrs gegen ſich ſelbſt und drückte ſie gegen ſeine Stirn. Aber eben ſo ſchnell hatte der Engländer die Hand des jungen Mannes gefaßt und die Piſtole, ehe er abdrücken konnte, aus den zitternden Fingern gewunden. Kamerad, das iſt keine⸗Ehrenthat! ſagte er zugleich hart und zürnend. Dazu habe ich Euch nicht gerufen, Sir! ſtotterte der Lieutenant zugleich matt heraus und ſank erſchöpft in einen Seſſel.
Und das iſt Alles kein Traum? fragte Folkerts da mit wehmüthiger Stimme, indem er beide Arme um die Schultern des Freundes legte, der einer Ohnmacht nahe ſchien. Frerich, habe ich das verdient um Dich? Und ſtand keine feſtere Bürgſchaft für mich in Deinem Her⸗ zen?— O der Gram der Trennung muß arg an dem armen Verwaiſeten geriſſen haben, daß Du zweifeln konnteſt an dem heiligſten Bunde, zweifeln an mir und Deiner Geliebten. Komm zu Dir, Bruder, beſinne Dich. Egwia iſt Dein wie ſonſt. Egwia iſt hier und erwartet
Dich mit liebender Sehnſucht. Komm und ſieh ſie ſelbſt,
und geneſe an ihrer fleckenloſen Bruſt. Starr und noch immer ungläubig richtete Kronſciold


