Teil eines Werkes 
2 (1843)
Entstehung
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den ſie zuſammt ſeiner jungen Frau als Geißel mit⸗ ſchleppen; es iſt derſelbe, von dem ich dem Herrn geſtern erzählte.

Wie war das? Was ſagſt Du, Menſch? fuhr Kron⸗ ſciold heftig auf; doch ehe Herr Jocondus Zeit zur Ant⸗ wort fand, öffnete ſich die Zimmerthür und der Oberſt⸗ lieutenant mit Folkerts traten ein.

Als wäre ein Geſpenſt im Leichentuche vor ihm aus der Erde geſtiegen, ſo ſtand Kronſciold da, einer Bild⸗ ſäule gleich, mit entſtellten Geſichtszügen, das Entſetzen ausgedrückt auf ſeiner ganzen Geſtalt. Folkerts blieb einen Augenblick, ebenfalls erſchrocken über das Ausſehen des Freundes, dann breitete er die Arme aus und rief lebhaft: Frerich, Du biſt's? O nun iſt Alles gut. O komm an das Herz Deines Bruders.

Er ſchritt ſchnell dem Freunde entgegen, dieſer aber machte eine abwehrende, gehäſſige Bewegung und ſprang hinter den Tiſch, eine der dort liegenden Piſtolen er⸗ greifend und ſie geſpannt gegen Oluf hebend.

Verräther! Räuber meiner Seligkeit! ſtieß er mit halber Stimme und mit bebenden Lippen hervor. Kommſt Du mein zu ſpotten? Nimm das Gewehr, ziele wie ich, raſch, raſch, denn dieſe Minute iſt entſetzlich und möchte mich tödten,, ehe ich auf den Erzfeind, den be⸗ trügeriſchen Sohn der Hölle, den Racheſchuß abdrücken könnte. Wo iſt meine Egwia? Wo haſt Du das an⸗ vertraute Kleinod? Egwia iſt Dein Weib; ich weiß alles, der hämiſche Zufall verrieth mir das ſchwarze Geheim⸗ niß. In der Bedrängniß wurde das ſchwache Geſchöpf überredet, gezwungen. Mich den Thoren ließ man daheim mit wohlerfundenem Mährchen. Nimm das Gewehr, oder ich ſchieße Dich nieder wie einen Straßenräuber.