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Die Erbſchaft war noch nicht getheilt, doch die Trauer auf Leopolds Geſicht ſprach zu dem Oberſt gar deutlich, daß der junge Mann faſt auf die Hoffnung verzichtet hatte, welche die letzten Worte ſeines Vaters mit unaus⸗ löſchlicher Schrift ihm in das Herz gedrückt.
Streithelm ließ ſich zu dem Grabe des Majors führen. An dem Platze, wo Hochhorſt vorhin am liebſten mit Cäcilien und ihrer Mutter das Frühſtück genommen, auf einer Höhe, wo drei uralte Linden ſchatteten, hatten die Kinder eine kleine Kapelle erbauen laſſen, und unter ihr das Familienbegräbniß gewölbt. In der Kapelle erhob ſich ein einfacher Altar mit Marmorplatten geziert, wel⸗ che das Wappen und den Namen des Verewigten trugen. Auf dem Altar prangte der weißblühende großblättrige Myrtenbaum von immerblühenden Roſen umgeben, und darüber hingen die Waffenſtücke des Huſaren gerade ſo, wie er ſelbſt ſie einſt in ſeinem Kabinet aufgehangen.— Wacker! Wacker! ſprach der grauhaarigte Oberſt und wiſchte ſich eine heiße Zähre aus dem ſilbernen Schnautz⸗ bart, indeß die beiden jungen Leute mit gefalteten Hän⸗ den und zu Boden geſenkten Blicken neben ihm ſtanden. Ihr habt den Wohlthäter geehrt, wie gute Kinder es müſſen. Aber Eins iſt noch zurück. Seinen ſchönſten Wunſch habt ihr vergeſſen, und kümmern ſich die Glück⸗ lichen dort oben noch um uns armſeliges Erdenvolk, ſo wird ihn das ſchmerzen, muß ihn quälen, denn es ſieht aus, als glaubtet Ihr, er könne noch neidiſch ſein auf ein Glück, das er ſich ſelbſt gewünſcht. Bedenket das, quält nicht ihn und euch, theilt ſein ſchönſtes Erbe, ſeine letzte Liebe; es war ein ächtes Kleinod, das nicht viel auf Erden gefunden wird.— Cäcilie preßte ſchmerz⸗ lich beide Hände gegen ihre Bruſt, und Leopold warf
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