Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
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Und ſchlägt unſer Stündlein im Schlachtenroth, Willkommen du ſel'ger Soldatentod!

und gleich darauf marſchirten die Schützen vorüber und feierlich ſchallte ihr Morgenlied: Gott, Dir ergeb ich mich! Wenn mich die Donner des Todes begrüßen, Wenn meine Adern geöffnet fließen, Dir, mein Gott! Dir ergeb' ich mich! Vater ich rufe Dich!

Es war, als höre der edle Todte noch den Geſang, denn ſeine Geſichtszüge verklärten ſich, verloren alles Leichenhafte und blieben freundlich und wie mit dem Siegel der Seligkeit gezeichnet.

Drei Jahre waren verfloſſen, da kehrte der Oberſt Streithelm, der nach Auflöſung des ſchwarzen Freicorps in einer andern Waffe des ruhmbedeckten Preußenheeres den Befreiungskrieg mit durchgefochten hatte, von Paris in das Vaterland zurück. Des ſterbenden Richards Bild hatte ihn in keinem Gefecht verlaſſen, ſein Gewiſſen blieb beunruhigt, und es zog ihn unwiderſtehlich zu dem Grabe des Freundes.

Er fand das Landhaus unverändert, Cäcilie mit ihrer Mutter und Leopold hatten Sorge getragen, Alles ſo zu erhalten, wie der Geſchiedene es geſchaffen, als war⸗ teten ſie immer noch auf ſeine Wiederkehr. Das ſchöne Mädchen war blaß und ſchlanker geworden, aber die unverkennbare Schwermuth in ihren Zügen hatte ihr einen eigenen Reiz gegeben, der ihr die Herzen gewaltiger gewann, als die üppige Fülle und der leichte Frohſinn, welche ſie vorhin geziert.