Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
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Der Verwundete fiel jetzt in einen tiefen Schlaf, und keiner der Umſtehenden wagte durch einen Laut die Ruhe des Leidenden zu ſtören, nur Cäciliens Seufzer tönten oft durch die bange Stille; Worte und Thränen fehlten ihrem Schmerz, da ſie in den Mienen der Männer las, was bevorſtand, wenn auch ihre Seele ſich das Furcht⸗ bare gar nicht als möglich zu denken vermochte. Als das Morgenroth durch die dunkeln Glasſcheiben leuchtete, fuhr Herr Richard auf einmal im Bett empor.

Nach Hauſe! rief er mit heller Stimme. Balthaſar, den Cäſar vor! Es iſt Zeit zum Aufbruch! Die rauhe Fauſt will nach Hauſe!

Alle ſprangen auf aus ihrer Ermattung und dräng⸗ ten ſich zu ihm. Sich beſinnend ſah er ſie alle nach der Reihe an. Ja ſo! ſagte er. Ich träumte nur den letzten Traum! Komm her, Cilla! ſetzte er dann hinzu, das ſchwache, wankende Mädchen zu ſich ziehend. Dir bin ich noch ein großer Schuldner; Du haſt meinem Leben die Krone aufgeſetzt. Es war das Höchſte, was ein Menſch auf Erden haben kann; wer es genoß, darf ohne Murren hinausgehen. Dank Dir, Du theures Weſen, Du meine letzte, auch meine erſte Liebe! Ich laſſe Dir den da. Er mag zahlen für den Vater. Ob er es kann, ob er Dich zu lieben verſteht wie ich? Gott helfe dazu! Cilla, Leopold! denket denket des Vaters! Seine Augen wurden matt und ſtarr, doch wichen ſie nicht von Cäciliens Geſicht, und ſeine Hände müheten ſich noch, die der beiden Kinder in einander zu drücken. Ohne Kampf, mit wenigen ſchweren Athem⸗ zügen verſchied er. Und unten vor dem Landhauſe vor⸗ über zogen die ſchwarzen Schaaren; es klang der Reiter keckes Lied herauf:

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