Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
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an offenes Bekenntniß, das zum offenen Helme paßt. Du biſt mein Sohn, Leopold; ich erkenne Dich dafür und preſſe Dich an eine warme Vaterbruſt. Aber ſtill, fragt nicht, der Streithelm wird euch Alles erklären; jetzt iſt nicht Zeit dazu. Cilla, nimm ihn als Bruder auf, kann's ſein, als nähern Blutsfreund. Er ſoll mir ja ähnlich ſehen wie der Spießer dem Schaufelhirſch, und da kann ich wohl nicht murren darüber.

Erſchöpft legte er ſich zurück und winkte alle von ſich; den Rittmeiſter rief er jedoch nach kurzer Pauſe wieder zu ſich heran. Bruder, flüſterte dieſer über ihn gebeugt, Gott verdamme mich, wenn ichs nicht recht ehrlich meinte mit Dir, und wer konnte auch ſolch einen unglücklichen Caſus erwarten.

Still, antwortete der Major leiſe, Du wareſt nur die verlorene Schildwacht, die anruft, wenn ſie den Feind ſieht, und nichts von der Schlacht ahnet, welche ihr Feldgeſchrei herbeilockt. Wir ſind Alle nur todte Werkzeuge, die des Meiſters Hand gebraucht zu Ham⸗ mer und Ambos, wie's eben paßt. Wer der Natur ſpottet, den faßt ſie an der Achillesferſe, hielte er den verwundeten Fleck noch ſo feſt umpanzert. Laß gut ſein; ich ſterbe einen braven Soldatentod und an einem Tage, den man nicht ſobald vergeſſen wird in der Geſchichte des Vaterlandes. Thue Du Deine Pflicht, wenn ich heimging, vollſtrecke mein Teſtament: die beiden Kinder theilen, und lieber wäre mir's, ſie theilten nicht; Du verſtehſt mich.

Der Rittmeiſter wollte antworten, aber er konnte nicht, denn er fühlte ein ungewohntes Zucken in den Augenliedern, und mußte den naſſen Knebelbart trocknen.