Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
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voran wankte und dazu flüſterte: Ja ſo! Freilich iſt's wohl das erſte Mal, daß die Gnädige einen Huſaren todtwund zu ſehen bekommt, und das hatte ich in der Herzensnoth ganz vergeſſen.

Der Trauerzug langte glücklich auf Hochhorſts Schlöß⸗ chen an, und als er ſich in ſeinem Eigenthume ſah, als um ſein Ruhebett in ſtiller Trauer alle die ihm lieb waren, verſammelt ſaßen, ſchien Herr Richard kein Ster⸗ bender, nur ein müder Hausvater, der von weiter Reiſe endlich heimgekehrt, die Glieder ruht, und dabei die Geliebten um ſich im Kreiſe einet, damit er den lang entbehrten Anblick keinen Augenblick verliere. Cäcilie kniete an ſeinem Bett und ließ ſeine Hand nicht aus ihren Händen. Warum weinſt Du, Kind? fragte er gütig. Mir iſt ja wohl, recht wohl! Und das bischen Schmerz, das vielleicht zuweilen mein Geſicht grämlich verzieht, mußt Du nicht achten. Andere, beſſere, jüngere

wie ich, tragen dort am Fluſſe vielleicht in dieſer Stunde

viel herbere Pein mit Soldatengeduld.

O ich weiß wohl, jammerte das Mädchen, ich bin Schuld an dem Allen; ich habe Dich hinausgehetzt, und ich bin mir doch keiner Sünde bewußt, Richard, beim Gott der Gnade, keiner Sünde an Dir!

Weiß wohl, antwortete der Leidende. Und darum quäle Dich nicht. Ich ſelbſt ſpreche Dich rein vor jedem Gericht, auch dem höchſten, dem Niemand ver⸗ hehlen kann. Mein eigener Tollkopf hat das bereitet. Aber Gott iſt dabei, wenn Spatzen fallen, er weiß auch einem alten vergeßlichen Kriegsmann zur rechten Ehre zu helfen. Komm näher, Leopold! ganz zu mir heran! Herze mich wie einen Vater. Seht, ſolch ſchwarze, ſchwere Stunde ſprengt manch hartes Herz und mahnet