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ein Piquet vorbei, das bemühet war, die Gegend von verſprengten Feinden zu reinigen, bald ſtockte ihr Fuß an dem Leichnam eines Soldaten, oder ein verwundetes Roß wälzte ſich ihnen zur Seite. Cäcilie achtete das alles nicht, was früherhin ſie erſchreckt und verſchüchtert haben würde. Unermüdet eilte ſie vorwärts, bis das weite Scheungebäude mit den weißen Wänden ihr ent⸗ gegenblinkte; und mit neubelebten Kräften ſtand ſie im Fluge bald vor dem großen geöffneten Flügelthor, in welches der Vollmond ein klares Licht hineinwarf, und eine Scene beleuchtete, wie ſie ſelten ein Weiberauge er⸗ blickt haben mag.
Die Seitenräume mit Heu und Stroh angefüllt, gaben den Anblick eines Hoſpitals; Sterbende und Wunde lagen dort, und wurden noch von ihren Gefährten unter das ſichere Dach getragen. Dicht am Eingange löſete der Wundarzt des Corps ſo eben dem Lieutenant Waiſe die Finger der zerhauenen Hand vollends ab, und— die ſchrecklichſte Gruppe mitten im Schrecklichen!— dicht daneben lag im vollen Mondſcheine auf dem Heulager Herr Richard von Hochhorſt, hald entkleidet, mit Binden und Tüchern umwickelt, recht bleich, aber mit klaren großen Augen in die hellen Strahlen des Mondes blickend, ſeine Rechte geſchlagen in die des Rittmeiſters Streithelm, der neben ihm auf dem Boden der Tenne knieete, und ihm aus blecherner Feldflaſche zu trinken reichte.—
Fräulein, kommen Sie, der tröſtende Engel zu ſein, um den man das Weh vergißt? rief der junge Lützower, indem er ſie erſtaunt erblickte, und ſein in Schmerz ver⸗ zogenes Geſicht zur Freundlichkeit zwang. Doch Cäcilie achtete, hörte ihn nicht. Längſt hatte ſie ihren väterlichen
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