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Freund aufgefunden, flog zu ihm mit letzter Kraftan⸗ ſtrengung, und ſank mit dem Ausruf: Richard! O, mein Richard! in welchem eine ganze Harmonie der leiden⸗ ſchaftlichſten Empfindungen und die reinſte Seelenſprache erklang, neben ſeinem Lager nieder. Mit den ausge⸗ ſtreckten Armen faßte ſie nach ihm, und das ſinnlos ſinkende ſchöne Köpfchen fiel einer geknickten Knospe ähn⸗ lich auf ſeine Knie.—
Der Major richtete ſich ſchnell mit dem Oberleibe auf, obgleich ihn der Rittmeiſter daran hindern wollte. Kräftig faßte er das Mädchen, und zog ſie an ſeine Bruſt hinauf, wobei ihn Streithelm unterſtützte. Sie iſt bei mir; mein Auge ſieht ſie noch einmal; rief er mit kräftiger Stimme aus. O, meine Tochter! meine liebe Cilla! Nun wäre der Verband gar nicht nöthig geweſen. Und ſiehſt du nun, Kamerad, bin ich nicht geliebt, und war es eine Thorheit, das zu glauben? Durch Nacht und Tod kommt ſie, mir den letzten Kuß zu bringen. O, gütiger Himmel, ich danke dir, ich danke dir ſo herzlich, als hätteſt du einen ſchönern Aus⸗ gang auf mich herabgeſenkt. Du, da oben, mußt am beſten wiſſen, was mir und dieſem lieben, lieben Weſen gut that.—
Cäcilie erholte ſich ſchnell, ſo wie ſie des Freundes Stimme vernahm. Richard! ſtammelte ſie, indem ſie mit Augen, in denen ein Schimmer von Wahnwitz zuckte, ſtarr den Verwundeten anblickte. Was ſprachſt Du? Den letzten Kuß? Nein, es iſt nicht, o ſage es iſt nicht, oder Du wirſt mich vor Dir tödten. Und das wäre recht gut, das wäre der einzige Troſt dabei! ſetzte ſie mit brechender Stimme hinzu.
Beruhige Dich, meine liebe Tochter! antwortete der


