Teil eines Werkes 
1 (1843)
Entstehung
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früh, daß es ſeine Freiheit für ewig galt, zog den Kopf aus der Schlinge und flog davon. Die Dame hatte vielleicht zum erſten Male wahrhaft geliebt, und dieſes unerwartete Ereigniß erſchütterte ſie darum zwiefach; aber das größeſte Unglück blieb doch für ſie, daß dieſe Liebe ihre Vernunft zum Ausreißer gemacht, und der Beweis davon ihr mit Schande dräuete. Sie reiſete, nur von einer bejahrten Kammerfrau begleitet, in fremde Lande, wo ein Verwandter von ihrem Hauſe einen hohen Poſten bekleidete. Dieſer nahm ſie väterlich auf und verſchaffte ihr ein Aſol, wohin kein horchend Ohr reichte und von wo keine verleumdende Zunge berichten konnte. Sie gebar einen derben Buben; als ſie dem Kleinen aber zum erſten Mal in's Antlitz ſah und in ihm das frappanteſte Abbild ihres Verführers erblicken mußte, da verwirrte Erinnerung und Freude und Schmerz und Sehnſucht und Verzweiflung ihre Sinne, und ihr Geiſt kam ſeitdem nie mehr in das rechte Gleis zurück. Sie wähnte den Mann ihrer Liebe todt, todt durch Gift, das ſie ihm in einem Kuſſe gereicht, ſie hielt das Kind für ſeinen entkörperten, verleiblichten Geiſt, der ſie ver⸗

folge. Ihr Leben wurde ein ununterbrochenes Gewim⸗

mer und ein ſtetes Jammern nach Hülfe und Erlöſung, und ſie weinte ſich im eigentlichſten Verſtande die Augen blind. So hatte ſie vierzehn Jahre vegetirt, und die Jugendkraft ihres herrlichen Leibes ſpottete immer noch den giftigen Gewalten, die täglich vom Geiſte aus an ihrer Seele nagten. Ich ließ mir den Knaben zeigen, der unter der Aufſicht des Kloſterbeichtigers erzogen wurde, und ich preßte den rüſtigen Buben mit Rührung in meine Arme, denn auch er trug Züge, die mir nur zu wohl bekannt und ehedem ſehr theuer geweſen waren. Blumenhagen. I. 28