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Frauenzimmer in die Sonne heraus und leitete es zu einem Sitze, welcher meinem Obſervatorio ſehr nahe lag. Ungeſehen horchte ich auf das Geſpräch der beiden Weibsleute, wenn eine Verhandlung zwiſchen Vernunft und Unvernunft ein Geſpräch ſo eigentlich genannt wer⸗ den darf, denn gar bald erkannte ich, daß die Eine der Zwei eine Wahnwitzige ſei, und noch mehr erſchrack ich im ſchnell erweckten Mitleide, als ich bemerkte, daß ſie wohl die liebe Sonne empfand, aber nichts von ihrem Lichte zu ſehen vermochte, weil ſie ſtockblind war. Als die Unglückſelige aber jetzt ihr Leichengeſicht mir zukehrte, wurde Schreck, Neugierde und Mitleid in Entſetzen verwandelt, denn dieſe Züge ſchienen mir nicht unbe⸗ kannt, und ohne Säumniß verließ ich meinen Poſten und trat aus dem Gärtnerhauſe zu dem Schweſtern⸗ paare, worüber die Führerin der Kranken auch gar nicht unruhig wurde, da in den Kriegszeiten die Kloſter⸗ regel das Verletzen und Ueberſchreiten ziemlich gewohnt geworden. Mein Auge hatte mich nicht getäuſcht. Die Blinde, die Wahnwitzige war wirklich eine Dame, die einſt in der Reſidenz und am Königshofe zu den erſten Sternen der Schönheit gezählt worden. Sie büßte ſchwer die Eitelkeit und das herriſche Gemüth, mit dem ſie früher manches Männerherz gequält und gebrochen. Wittwe war ſie geweſen von einem ſchwachen Männlein, der ihr knechtiſch gehorcht und der ihre übeln Anlagen und Gewohnheiten zu wirklichen Fehlern verzogen. Dann hatte ſie ein Mann geliebt, ein Leichtfuß, doch ein braver Junge dabei. Wirkliche Zuneigung hatte ſie ver⸗ führt, mit ihm vas engſte Bündniß zu ſchließen, weil ſie eitel gewähnt, eine Kette von ihr geſchlungen ſei un⸗ auflöslich. Der kluge Springinsfeld merkte jedoch zu


