Teil eines Werkes 
4. Bd. (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

315

Wie grauſam, mich ſo falſch zu beurtheilen und mir wegen eines Betragens Vorwürfe zu machen das am beſten die warme und uneigennützige Liebe verbürgt, welche ich für Sie im Herzen trug. Arm und tief verſchuldet wie ich war, mußte es mir da nicht abſcheulich erſcheinen, Sie zu einer Heirath zu verleiten die Ihnen nichts als Entbeh⸗ rungen auferlegt, die Sie in Armuth geſtürzt hätte? Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, daß Sie, die den erſten Platz in der Geſellſchaft einzunehmen berechtigt iſt, ein Daſein hinſchleppen ſollte ohne die Annehmlichkeiten, ja ſelbſt ohne die Bequemlichkeiten welche es erträglich machen.

Aber Sie waren der nächſte Erbe Ihres Bru⸗ ders, Sie hatten die gegründetſte Ausſicht auf ſein Vermögen und wenn wir uns heiratheten, ſo muß⸗ ten unſere Verwandten Etwas für uns thun. So wie die Sache ſich jetzt gewendet hat, ſehen Sie, daß wir in der Ehe nicht lange in unbequemen, veſchränkten Verhältniſſen gelebt haben würden; aber Sie liebten mich nicht und behaupten es jetzt bloß weil Si wiſſen, daß die Wahrheit Ihrer Angabe ſich nicht auf die Probe ſtellen läßt, weil wir beide verheirathet ſind.

O, Olivia, theuerſte, lieblichſte der Frauen, wären wir in dieſem Augenblick frei, wie gerne, mit welchem Stolz würde ich Sie bitten, meine Hand anzunehmen. Ich bin, weiß der Himmel,

.