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Glaubenstreue oder die Wallonen in der Pfalz : Erzählung / von Friedrich Blaul
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Das Wiederfinden. 133

der Kirche. Verwundert ſahen die Leute mit ihren noch thrä⸗ nenfeuchten Augen auf die Gruppe der fremden Reiter, de⸗ ren einer unaufhaltſam weinte. Da kam die Großmutter Cornelia auf ihrem Rollſtuhle, wie gewöhnlich von vier Männern getragen. Paul konnte ſich nicht mehr halten, er ſtürzte ihr entgegen, er umfaßte ihre Kniee, und rief mit erſtickter Stimme:Großmutter Cornelia! Die alte, blinde Frau zuckte jählings zuſammen, ihr glanzloſes Auge öffnete ſich groß. Haſtig griff ſie mit beiden Händen nach dem Haupte des Jünglings und ſtrich damit von dem krau⸗ ſen Haare herab um Wangen und Kinn desſelben.Paul, biſt du's? hat der Herr die Todten auferweckt? So rief ſie, wohl etwas erregter, aber doch in ihrer gewohnten, groß⸗ artig ruhigen Weiſe.

Ich bin's, Großmutter! ſchluchzte der Jüngling. In⸗ dem er dabei den Kopf erhob, um in das alte, geliebte An⸗ geſicht zu ſchauen, ſah er hinter dem Lehnſeſſel Cornelias eine blaſſe Frau ohnmächtig in die Arme einer ſchönen, blühenden Jungfrau ſinken.

Mutter! Mutter! rief er voll ſeliger Freude, ſprang auf, umfaßte die Ohnmächtige und bedeckte das bleiche Ge⸗ ſicht mit Küſſen.Marie! Marie! rief er dazwiſchen, ſtreckte der Jungfrau die Hand hin und zog die Weinende mit in die Umarmung.

In dieſem Augenblicke trat Clignet, als der letzte, aus der Kirche. Er ſah die ganze Gemeinde in großer Bewegung, ſah, wie ſich alle vor der Kirchenpforte zuſammendrängten.