134 Zuyölſtes Kapitel.
„Ehrwürdiger Herr, da iſt euer todt geglaubter Sohn!“ rief ihm einer der Aelteſten aus der Gemeinde entgegen.
Raſch öffnete ſich in der Menge ein Durchgang für den Geiſtlichen. Er ſah, wie ſeine Gattin eben die Augen auf⸗ ſchlug und ihre Arme feſt um den Sohn ſchlang, als fürchte ſie, er werde ihr wieder entriſſen. Sie konnte kein Wort ſprechen. Er ſelbſt aber ſtand einen Augenblick zitternd da⸗ neben, dann ſprach er halblaut:„Herr, ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an deinem Knechte thuſt. Wer bin ich und was iſt mein Haus, daß du uns bis hierher gebracht haſt?“
„Vater! Vater!“ rief Paul und ſtürzte nun in ſeine Arme. Die Menge ſtand ſchweigend, erſchüttert, kein Auge war trocken, keine Seele darunter, die nicht die Gnade Got⸗ tes und ſeine wunderbaren Wege anbetend geprieſen hätte. Cornelia hatte die Hände gefaltet, ihr glanzloſes Ange war emporgerichtet und die zum Untergang ſich neigende Sonne verklärte ihr Angeſicht und die ganze Scene.
„Hab' ich's nicht immer geſagt?“ ſprach ſie leiſe. „Den Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen, und Freude den frommen Herzen.— Herr, nun laß deine Dienerin im Frieden hinfahren!“
Wer möchte hier weiter ſchildern? wer die ſelige Freude meſſen?
Zum Schluſſe dieſer Erzählung nur noch einige Worte. Die walloniſche Gemeinde, die ohne weiteres Aufſehen nach
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