126 Zwölftes Kapitel.
Im Mai 1576 wurde wieder Friede geſchloſſen. Paul, der jetzt zum achtzehnjährigen Jüngling herangewachſen war, ging nun unabläßig mit dem Gedanken um, nach Deutſch⸗ land zu gehen, um ſeine Eltern aufzuſuchen, wenn ſie noch am Leben wären. Denn obgleich er von der Familie Re naud und Frau von Sevre wie ein Kind des Hauſes behan⸗ delt und geliebt wurde, ſo hatte er eine unbegrenzte Sehn⸗ 6 ſucht nach ſeinen Eltern. Der junge Herr von Sevre wollte die Reiſe mit ihm machen, aber die kränkliche Mutter kam in Verzweiflung, wenn ſie nur ein Wort davon hörte. So verging ein Tag, ein Monat nach dem andern, und Paul konnte ſein Vorhaben immer noch nicht in's Werk ſetzen. Zum Ueberfluſſe brach auch der unglückſelige Krieg von neuem aus. Es war ſchon der ſechste, den ich in fünf Jah⸗ ren erlebte. Im September 1577 war aber ſchon wieder Friede, und der ſcheint ein wenig anhalten zu wollen, wie lang, das weiß Gott. Ich wenigſtens traue dem Landfrie⸗ den nicht. Meine Herrin hat noch ein Stück des gegenwär⸗ tigen Friedens erlebt und wollte nun wirklich das Schloß Sevre wieder bauen, ſie iſt aber leider nicht mehr dazu ge⸗ kommen. Sie haben ihr bald das letzte kleine Haus gebaut, das Schloß, das wir Alle beziehen müſſen. Nach ihrem Tode hatte Paul durchaus keine Ruhe mehr, und die beiden jungen Herren rüſteten ſich nun zum Zuge nach Deutſchland. Ich habe mir's ausgebeten, ſie begleiten zu dürfen. Ich wollte gern mein Vaterland vor meinem Ende noch ſehen, und, will's Gott, ſo begraben ſie mich in deutſcher Erde im Frieden.“


