124 Zwölftes Kapitel.
that, und zwar mit Gefahr ihres eigenen Lebens. Meinen Kameraden ließ ich einſtweilen dort bei dem Knaben, und er galt als Knecht im Hauſe. Ich ſelbſt machte mich auf, um meiner unglücklichen Herrin die Trauerbotſchaft zu bringen. Auf meinem ganzen Wege hatte ich nur greuliche Spuren der Verwüſtung geſehen. Der Mord, der in Paris ſo ſchauderhaft begonnen hatte, war auf königlichen Befehl in den Provinzen fortgeſetzt worden. Ich kam an das Flüßchen Sevre und in die Nähe unſeres ſchönen Schloſſes, und Alles, was ich umher ſah, ließ mich nichts Gutes ahnen. Ich fand das Schloß zerſtört, die ſchönen Gärten verwüſtet. O ich hätte auf den Trümmern ſterben mögen vor Leid. Indeß mußte ich nach la Rochelle eilen, denn nur dorthin konnte Frau von Sevre mit ihrem Sohne ſich geflüchtet ha⸗ ben, wenn ſie noch am Leben waren. Ich fand ſie dort im Hauſe ihres Schwagers Renaud, aber krank. Die Kunde von der Pariſer Mordnacht war meinen alten Beinen längſt vorangeeilt, und die gute Dame hatte im erſten Augen⸗ blicke ſchon die Hoffnung aufgegeben, ihren Gemahl wie⸗ derzuſehen.
„Mittlerweile rückte das feindliche Heer wieder vor die feſte Stadt, um dieſe letzte Schutzwehr der Proteſtanten zu brechen und ſo den großen Schlag der Vernichtung zu voll⸗ enden. Nicht Mann noch Maus konnte aus der Feſtung hinaus, noch herein. Wie wir da wieder in Sorge waren um den verwundeten Paul, zu dem ich nicht zurückkehren konnte! Die Belagerung zu Land und zu Waſſer dauerte


