118 Elftes Kapitel.
ſich zu entfernen. Erſt als Clignet ihr noch einmal freund⸗ lich zuredete und ſie ermahnte zu vertrauen, ging ſie ſtill auseinander. Die Herzen aber waren voll Sorge um den Prediger.
Die Gemeinde hatte ſich entfernt, die Reiter hielten Thor und Hof beſetzt, Herr von Walden aber ſtieg vom Pferde und ſagte etwas milder als vorher:„Herr Prediger, führet mich in euer Zimmer, ich habe im Namen des Kur⸗ fürſten mit euch zu reden.“
Clignet gehorchte ſchweigend. Im Vorübergehen drückte er ſeiner weinenden Gattin und ſeiner Pflegetochter die Hand und ſagte leiſe:„Getroſt!“ Lauter fügte er hinzu: „Marie, Licht in mein Zimmer!“ Der Kavalier grüßte die Frauen einfach, aber nicht unfreundlich, und ſchritt hin⸗ ter der voranleuchtenden Jungfrau in das Studirzimmer des Pfarrers.
Die Unterredung der beiden Männer dauerte ziemlich lange. Clignet erſah daraus, daß Herr von Walden ihn wegen Widerſetzlichkeit gegen die fürſtlichen Befehle verhaf⸗ ten und gefangen nach Heidelberg führen werde, wenn er ſich nicht darein fügen wolle, das Land freiwillig, und zwar ſo ſchnell als möglich, zu verlaſſen. Zugleich erfuhr er, der Kurfürſt werde nimmermehr zugeben, daß der Prediger mit der geſammten Gemeinde in öffentlichem, feierlichem Zuge ausziehe, weil dadurch nur Aufſehen und Unruhe im Lande erregt würde. Anfangs war der Geiſtliche entſchloſſen, Alles, ſelbſt das Aeußerſte, über ſich ergehen zu laſſen. Herr


