116 Elftes Kapitel.
Gemeinde ſtimmte ernſt und feierlich mit ein und ſang die erhebenden Worte des Pſalms, als wäre ſie in der Kirche. Das leiſe Wehen der Nacht zog dabei wie der Odem Got⸗ tes über den Häuptern der ergriffenen Gemeinde hin, und rauſchte in den Kronen der alten Bäume wie ferner Orgel⸗ ton.— Es war eine erhebende Feier.
„Holla!“ rief plötzlich eine laute, rauhe Stimme mitten in den feierlich gedämpften Geſang hinein, und alle Sänger verſtummten, und alle Augen kehrten ſich nach dem offenen Thore des Kloſterhofes. Dort hielt eine kleine Schaar kurfürſtlicher Reiter, an ihrer Spitze Herr von Walden. Der trieb ſein Pferd mitten durch die Menge, welche ſcheu zur Seite wich, gerade der Pforte zu, vor welcher Clignet ſtand.
„So reſpektirt man alſo die kurfürſtlichen Befehle, Herr Prediger?“ rief der Kavalier dem Geiſtlichen entgegen. „Steht denn in dem Verbote geſchrieben, daß ihr blos die Kirche meiden ſollt, aber unter freiem Himmel Gottesdienſt halten und predigen dürfet?“
„Verzeiht, edler Herr,“ verſetzte ruhig der Geiſtliche, der ſich nach der erſten Ueberraſchung ſchnell wieder geſam⸗ melt hatte:„es war das kein Gottesdienſt, dieſe Leute hier waren weder zu einem ſolchen zuſammenberufen, noch hatten ſie ſich zu dieſem Zwecke nicht verſammelt.“
„Habe ich nicht eure Predigt gehört?“ rief Herr von Walden,„bin ich nicht mitten in den Geſang hineinge⸗ fahren? Ihr ſolltet euch ſolcher Ausrede ſchämen.“
„Es iſt weder eine Ausrede, noch ſchäme ich mich mei⸗


