Druckschrift 
Glaubenstreue oder die Wallonen in der Pfalz : Erzählung / von Friedrich Blaul
Entstehung
Einzelbild herunterladen

110 Zehntes Kapitel.

„Es iſt viel möglich in dieſer ſchweren Zeit der Heim⸗ ſuchung,“ ſprach Clignet.„Aber daß man aus mir einen Unruheſtifter und Aufhetzer mache, das wäre doch zu viel. Auch kann ich mir nicht denken, daß ein ſonſt ſo gerechter Fürſt mir ſolch großes Unrecht zufügen werde. Sagt an, werther Herr, iſt denn eure Nachricht wirklich ſo ſicher, oder ruht ſie mehr auf Vermuthung?“

„Ihr könnt euch feſt darauf verlaſſen, ehrwürdiger Herr,“ verſetzte der Fremde.„Ich habe ſie nicht aus der Luft gegriffen. Sie kommt vom Schloſſe zu Heidelberg ſelbſt, wo ich einen vertrauten Bekannten habe. Fraget mich nicht weiter über meine Perſon, noch über Andere; ihr wißt, es iſt nicht rathſam, etwas geſagt zu haben in dieſer Zeit.“

„Es wäre denn doch möglich,“ ſagte der eine von Clig⸗ nets Begleitern.„Ihr werdet euch erinnern, daß euch ſchon in dem letzten Schreiben ein ſolcher Vorwurf gemacht wurde. Ich möchte darum auch rathen: bleibet dieſſeits des Rheins, wir aber wollen nach Schönau eilen und euch donn Nachricht geben, wie es ſich verhält. Im ſchlimmſten Falle werden wir ſorgen, daß eure Familie recht bald wohlbe⸗ halten bei euch iſt.“

Auch der andere Begleiter ſtimmte lebhaft bei. Um den Mund des Pfarrers aber legte ſich ein ſchmerzli⸗ cher Zug. Leiſe ſchüttelte er das Haupt und ſprach:„Ich danke euch, werther Herr, für eure wohlgemeinte Warnung und euch allen für den wohlgemeinten Rath, aber befolgen kann ich ihn nicht. Ich weiß mich frei von ſolcher Schuld,

0