Der geheime Rath. 109
kommen und mußten auf die Rückkehr der Fähre warten; indeſſen traten ſie in die am Ufer gelegene Herberge, um dort einſtweilen auszuruhen.
In der niedrigen Stube ſaß eben nur ein einziger Gaſt, der Kleidung und dem ſonſtigen Ausſehen nach ein Stadt⸗ bürger. Er trank ruhig ſeine Kanne Wein und ſchien wenig auf die neuen Ankömmlinge zu achten, doch warfer zuweilen einen flüchtigen Blick auf den Prediger. Erſt als die drei Schönauer eine Zeit lang im Geſpräch begriffen waren, er⸗ hob er ſich, trat näher und ſagte in ſchlechtem, gebrochenem Franzöſiſch:„Verzeihet, meine Herren, habe ich hier nicht den Herrn Prediger von Schönau vor mir?“
„Der war ich,“ antwortete Clignet,„ ehe mich der Kur⸗ fürſt meines Amtes entſetzte und mir zu predigen verbot.“
„Ihr ſeid wohl wieder auf dem Wege nach Schönau?“
„So iſt's!“ erwiderte der Prediger.
„Ehrwürdiger Herr,“ fuhr der Fremde fort,„ laſſet euch warnen. Mir ſcheint beinahe, als wiſſet ihr noch nicht, was der Kurfürſt neuerdings über euch beſchloſſen hat. Aus ganz guter Quelle weiß ich, daß ihr als Unruh⸗ ſtifter und Aufhetzer gefänglich eingezogen werden ſollet, und ich möchte euch dringend anrathen, das jenſeitige Ufer nicht mehr zu betreten. Ihr miüßtet ja doch bald herüber ziehen, warum wolltet ihr euch der Gefahr ausſetzen, vielleicht längere Zeit gefangen gehalten zu werden? Bleibet auf die⸗ ſem ſicheren Boden und laſſet eure Familie und eure Ge⸗ meinde nachkommen.“


