Der geheime Rath. 107
lichen Befehle erregt. Noch jüngſt, als er mit ſeiner De⸗ putation hier auf dem Schloſſe war, iſt ein großer Theil der Heidelberger Bürgerſchaft in ziemliche Aufregung ge⸗ rathen. Gegenwärtig treibt er ſich wieder anderwärts herum, und wird wohl auch nichts anderes ſtiften, als Erbitterung und Unruhe. Zuletzt wird er mit ſeiner ganzen Gemeinde ausziehen und dadurch großen Allarm erregen.“
„Das muß verhütet werden!“ fiel die Kurfürſtin raſch ein.
„Eben darum,“ fuhr Walden fort:„wäre es meine unvorgreifliche Meinung, man müſſe den Mann früher zum Abzuge bewegen. Freiwillig wird er nicht früher gehen. Wenn man ihm aber unter die Füße legt, daß er leicht zur Verantwortung gezogen werden könnte für alles, was ſchon geſchehen iſt und noch geſchehen dürfte, ſo möchte das ſchon von Wirkung ſein.“
„So übernehmet ihr das!“ ſprach Eliſabeth:„Ver⸗ ſuchet es, ihn mit ſeiner Familie zu ſchnellem Abzuge zu bewegen.“
„Ich ſtehe euer kurfürſtlichen Gnaden zu Befehl,“ verſetzte von Walden mit einer tiefen Verbeugung.„ Nur etwas bedürfte ich dazu noch, nämlich eine fürſtliche Voll⸗ macht, im rechten Augenblick auch handelnd einzuſchreiten, wenn es etwa noth thun ſollte.“
„Aber keine Gewalt!“ ſagte die Kurfürſtin ernſt. „Höret ihr es, Herr von Walden? keine Gewalt!“
„Behüte der Himmel!“ verſetzte der Hofmann mit einem Bückling.


