104 Zehntes Kapitel.
liums, und mit Eifer ſuchte ſie nicht nur ihr eigenes See⸗ lenheil, ſie wollte auch das anderer befördern. Leider war ſie aber zu tief in die unſeligen Religionsſtreitigkeiten ihrer Zeit eingegangen, als daß ſie hätte ein unbefangenes Urtheil haben können. Richten wir ſie nicht! Sie war ein Kind ihrer Zeit, und glaubte vor Gott und ihrem Gewiſſen recht zu thun. Auch kam wenigſtens nicht der Gedanke in ihr Herz, die, welche anders glaubten als ſie, mit Feuer und Schwert entweder zu bekehren oder zu vernichten.
Heute war die Kurfürſtin mit ſich ſebſt in ſchwerem Kampfe. Sie glanbte nun einmal, ihr Gemahl dürfe nicht nachgeben, und fürchtete, er werde es am Ende doch thun. Zugleich wünſchte ſie ſelbſt, gerade dieſe Wallonen und Hu⸗ genotten zurückzuhalten und zu bekehren.
So ſaß ſie in tiefes Nachſinnen verloren, als eine ihrer Hofdamen hereintrat und Herrn von Walden meldete.
„Er ſoll kommen!“ rief die Kurfürſtin raſch, und nach⸗ dem ſich die Hofdame entfernt hatte, trat ein ſtattlicher Ca⸗ valier in das Zimmer, und verbeugte ſich ehrerbietig.
„Ihr ſeid zurück, Herr von Walden?“ ſprach Eliſabeth. „Tretet näher und berichtet mir ſchnell den Erfolg eurer Sendung. Ich hoffe, er war ein guter.“
Der Cavalier trat einen Schritt näher und ſagte mit einem leichten Achſelzucken:„Kurfürſtliche Gnaden, ich wollte, ich könnte ihn loben, ich kann es aber nicht.“
„Wie? auch nichts ausgerichtet?“ rief die Kurfürſtin ſichtbar erregt.


