100 Neuntes Kapitel.
„Clignet— Clignet!“ ſprach der Mann nachdenklich vor ſich hin, als beſinne er ſich auf etwas.„Der Name iſt mir auch in Frankreich vorgekommen. Da iſt bei der Blut⸗ hochzeit ein wackerer Knabe gefallen, von dem viel geredet wurde, der hieß Paul Clignet.“
„Paul Clignet ſaget Ihr?“ rrief der Schönauer er⸗ ſchreckt.
Der Ausruf war zum Ohre des Vaters gedrungen. Raſch wendete er ſich um und ſagte bewegt:„Wer ſpricht von meinem Kinde?“
„Herr Pfarrer,“ ſprach der Schönauer:„dieſer Mann da will in Frankreich von einem Knaben Namens Paul Clignet gehört haben.“
„Das iſt mein Sohn!“ rief der Geiſtliche, und ſtand in demſelben Augenblick vor dem einarmigen Manne. Sein ganzer Körper zitterte, ſein Angeſicht war bleich.„Schnell,“ rief er:„ſchnell ſaget mir, was ihr von ihm wiſſet.“
„Ehrwürdiger Herr,“ verſetzte der Hugenotte halb ver⸗ legen:„geſehen habe ich den Knaben nicht, nur von ihm gehört. Ich habe in meinem Vaterlande Frankreich mitge⸗ kämpft gegen die Verfolger unſeres Glaubens und war auch zur Zeit der Bluthochzeit in Paris. In jener Schreckens⸗ nacht ſind viele unſrer Edelleute gefallen, mit einem der⸗ ſelben ein Knabe Namens Paul Clignet, und zwar im Hauſe des Admirals Coligny, den ſie gegen die Mörder ſchützen wollten. So haben meine Kameraden erzählt und den Muth und die Treue des Knaben gelobt.“


