Neues Hoffen und neues Leid. 99
und doch freute er ſich wieder des Friedens und des neuen Lebens ſeiner Glaubensbrüder, die erſt ſeit kurzem ſich hier angeſiedelt hatten.
Der kurze Umgang mit den Genoſſen ſeines Glaubens und ſeiner Leiden, die noch dazu meiſt walloniſcher Abkunft waren, wie er ſelbſt, wirkte in der That ſtärkend und erhebend auf ſein Gemüth. Der wahrhaft Gläubige kann ja nicht lange niedergedrückt bleiben, das Licht des Troſtes geht immer wieder auf, ſobald er die Spuren deſſen wieder ſiehet, der die Seinen wunderlich führet, ohne deſſen Willen aber kein Haar von unſerm Haupte fällt.
Während Clignet die ſchöne gothiſche Kirche betrachtete, ſammelte ſich nach und nach faſt die ganze Bewohnerſchaft des Kloſters und der neu entſtandenen Häuschen um ihn, und des Fragens und Erzählens wurde viel. Man ſchien ſich gegenſeitig an einander aufzurichten. Beſonders tröſt⸗ lich waren die Augenblicke für unſern guten Pfarrer und ſeine beiden Begleiter, die mit ihm nach St. Lambrecht ge⸗ gangen waren. Die Theilnahme, welche die Landsleute an dem Geſchicke ihrer Schönauer Brüder bewieſen, that den Herzen der drei Männer überaus wohl. Sie erſahen, daß ſie auch von den Menſchen nicht ganz verlaſſen waren.
Als der Pfarrer tief im Geſpräche begriffen war, trat ein ältlicher Mann, der nurmehr einen Arm hatte, zu einem der beiden Schönauer Abgeſandten und fragte ihn leiſe: „Wie iſt der Name euers Pfarrers?“
„Clignet heißt er,“ antwortete jener.


