98 Neuntes Kapitel.
„Ich habe nur noch vierzehn Tage Friſt,“ erwiderte Clignet kleinlaut.
„Ihr ſollt noch früher wiſſen, woran ihr ſeid,“ ſagte Caſimir. Uebrigens verlaſſet euch auf mich, und wenn mein Herr Bruder euch vertreiben will, ehe ihr wiſſet, wo ihr eine bleibende Stätte findet, laſſet es mich nur wiſſen, und ziehet getroſt herüber über den Rhein, ich werde Rath ſchaffen. Damit Gott befohlen!“
Clignet drückte mit wenigen herzlichen Worten ſeinen Dank aus, und verabſchiedete ſich mit weſentlich erleichtertem Herzen.
Sein nächſter Gang führte ihn thaleinwärts an der Ruine des alten Schloſſes Wolfsberg vorüber. Das Kloſter St. Lambrecht war ſein Ziel. Dort wollte er ſeine Lands⸗ leute, ſeine Glaubens⸗ und Leidensgenoſſen beſuchen, die ſeit beinahe zwei Jahren hier ihre Zufluchtsſtätte gefunden.
Wie in Schönau, ſo war in und um das Kloſter St. Lambrecht an die Stelle der früheren klöſterlichen Stille be⸗ reits ein bewegteres Leben getreten. Die Webſtühle der Tuchmacher knarrten laut in den Zellen, deren Wände früher nur die leiſen Gebete der Benedictiner⸗Nonnen gehört hatten. Andere Gewerke verurſachten anderes Geräuſch, und das Picken der Maurer und die Axtſchläge der Zim⸗ merleute bewieſen, daß die neue Colonie mehr Raum und darum neue Häuſer und Hütten brauchte. Clignet über⸗ zeugte ſich auf den erſten Blick, daß hier kein Raum mehr ſei für ſeine Gemeinde. Das berührte ihn wohl ſchmerzlich,
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