Neues Hoffen und neues Leid. 97
Mit bebender Stimme ſprach Clignet:„Durchlauch⸗ tigſter Herr, eine ſolche Trennung würde mir ſchwer. So viele Jahre hindurch haben wir gemeinſam geduldet und getragen und uns gegenſeitig aufgerichtet, und nun ſollten wir auseinander gehen und in der Zerſtreuung wohnen? Zudem verſtehen und ſprechen wir ja nicht einmal die Sprache derer, unter welchen wir auf ſolche Weiſe zerſtreut leben müßten. Habt ihr denn nicht noch irgend einen ſtillen Winkel, wo wir endlich einmal zur Ruhe kommen und mit⸗ einander unſere Geſchäfte in Frieden treiben könnten?“
Der Herzog zuckte die Achſeln.„Ich weiß keinen;“ erwiderte er;„zwar hab' ich der ſtillen Thäler genug, aber ich müßte das Obdach für eine Gemeinde aus der Erde ſtampfen können, wenn ich euch ein ſolches zuſagen wollte.“
Jetzt nahm der dabeiſtehende Prediger Toſſanus das Wort und ſagte:„Haltet zu Gnaden, durchlauchtigſter Herr, L habt außer Frankenthal und St. Lambrecht noch ein Kloſter, das ſich vielleicht zum Wohnſitze für eine ſolche Gemeinde eignete: das Kloſter Otterberg bei Kai⸗ ſerslautern.“
Es war, als blitze mit dieſen Worten ein neuer Ge⸗ danke in dem Pfalzgrafen auf.„Ihr habt Recht, Herr Doktor!“ rief er aus.„Ich muß mir das überlegen, Herr Prediger,“ ſagte er zu Clignet gewendet:„kommet in ei⸗ niger Zeit wieder, ich will unterdeſſen mit mir zu Rathe gehen.“
Blaul, Glaubenstreue(2. A.) 7
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