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Glaubenstreue oder die Wallonen in der Pfalz : Erzählung / von Friedrich Blaul
Entstehung
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96 Neuntes Kapitel.

manches Wort darüber, wie die beiden evangeliſchen Con⸗ feſſionen in Eintracht neben einander beſtehen und ſich in der Lehre friedlich verſtändigen könnten, ohne das Wort Gottes zu ſchwächen oder gar zu verfälſchen, ohne den ewigen Grund des evangeliſch⸗chriſtlichen Glaubens zu verlaſſen. Und doch war derſelbe Pfalzgraf Johann Caſimir ſchon nach fünf Jahren nicht mehr ganz derſelbe Mann. Denn als er nach dem Tode ſeines Bruders, des Kurfürſten, die Vormund⸗ ſchaft über deſſen unmündigen Sohn führte, ließ er nicht nur dieſen in der reformirten Lehre erziehen, ſondern er führte auch mit derſelben Strenge und Härte die reformirte Con⸗ feſſion wieder in der Pfalz ein, mit welcher vorher ſein Bruder Ludwig VI. die lutheriſche begünſtigt hatte.

Clignet war noch nicht am Ziele ſeiner Wünſche, ob⸗ gleich der Pfalzgraf ſein Mitleid mit ihm und ſeiner Ge⸗ meinde geäußert hatte. Der Fürſt ſtand nämlich eine Zeit lang nachdenklich, dann hob er das geſenkte Haupt wieder, ſah den harrenden Geiſtlichen faſt traurig an und ſprach:„Herr Prediger, euer Schickſal geht mir nahe, aber ich weiß nicht, an welchem Ort in meinem Lande ich eine ganze Gemeinde unterbringen könnte. Die Klöſter Frankenthal und St. Lambrecht ſind bereits euren Lands⸗ leuten und den franzöſiſchen Flüchtlingen eingeräumt, wo ſollt' ich euch eine Stätte anweiſen? Aufnehmen will ich euch alle herzlich gern, aber es bleibt dann nichts anderes übrig, als daß ihr euch trennet und eure Wohnungen in verſchiedenen Städten und Orten aufſchlaget.“