Neues Hoffen und neues Leid. 95
ſtadt, den Herzog um eine Zufluchtsſtätte zu bitten.
Pfalzgraf Johann Caſimir war ein trefflicher Fürſt. In dem Landestheile, über den er nach dem Teſtament ſei⸗ nes Vaters für ſeine Lebzeit als Herzog regierte, ſorgte er mit Eifer und weiſer Umſicht für die leiblichen wie für die geiſti gen und geiſtlichen Bedürfniſſe ſeiner Unterthanen. Er wendete dem Landbau, den Gewerben und Fabriken und eben ſo den Schulen und höheren Bildungsanſtalten ſeine ganze Sorge zu. Gerade im März des Jahres 1578 war er lebhaft damit beſchäftigt, in Neuſtadt an der Haardt eine höhere Lehranſtalt, eine Art von Univerſität, zu errichten. Es ſollten daran namentlich jene Profeſſoren angeſtellt werden, welche der Kurfürſt von der Univerſität Heidelberg entlaſſen hatte, weil ſie das reformirte Bekenntniß nicht mit dem lutheriſchen vertauſchen wollten. Noch jetzt führt das Gebäude, welches der Pfalzgraf für ſeine neue Hochſchule zu Neuſtadt herrichten ließ, den Namen„Caſimirian.“
Dort traf Clignet den Pfalzgrafen, wie er eben ſelbſt nachſah, damit die Arbeiter die Herſtellung der Säle für ſeine neue Lehranſtalt eifrig förderten. Johann Caſimir empfing ihn freundlich, hörte ſeine Bitte um Schutz und Aufnahme für ſich und ſeine treue Gemeinde gütig an und ſagte dann: „Mein Herr Bruder verführt hart mit euch armen Leuten, Gott verzeih' es ihm! Ich möchte nicht das nämliche gegen die Lutheriſchen in meinem Lande thun, obwohl ich dasſelbe Recht dazu hätte.“
So dachte Johann Cafimir damals noch, und redete


