54 Fünftes Kapitel.
Herr von Sevre erzählte ihm, daß auch deutſche Fürſten den franzöſiſchen Proteſtanten zu Hilfe kämen, und verſprach ihm, gelegentlich Erkundigung über die nach Deutſchland ausgewanderten Wallonen einzuziehen. Das belebte in Pauls Seele die Hoffnung, einſtens doch wieder mit den Seinigen vereinigt zu werden.
Beſonders lieb war es ihm, daß er hier wieder, wie in Antwerpen, die Kirche beſuchen und die Prediger das Wort Gottes verkündigen hören konnte. Zu Hauſe hatte Paul auch wieder eine Bibel, las fleißig das Wort Gottes und weinte oft ſtille Thränen, wenn ihm einer jener gewaltigen Ausſprüche aufſtieß, die er oft aus dem Munde der blinden Großmutter Cornelia gehört hatte. Es war ihm dabei, als höre er die fromme Frau wieder, und die Sprüche, die aus ihrem Munde wie wunderbar tröſtliche Weisſagungen klangen, tröſteten dann auch ſein zagendes und ſehnſucht⸗ volles Herz.
Herr von Sevre konnte nicht gar lange zu Rochelle wei⸗ len, der Krieg hatte wieder begonnen.
Harte Kämpfe bezeichnen dieſes und das folgende Jahr. Die Proteſtanten wurden in denſelben zwar nicht über⸗ wunden, doch war ihnen das Glück meiſt nicht günſtig. Indeß zwangen ſie doch ihre Gegner, Frieden zu ſchließen und ihnen völlig freie Uebung ihrer Religion zu geſtatten. Dieſer Friede kam im Anguſt 1570 zu Stande. Ruhe und Sicherheit ſchienen von da an für immer in Frankreich eingekehrt zu ſein.


